“It’s easier to swing an election than to win a war“ – Mein Vortrag auf der re:publica 2026
Liebe Freund*innen!
Gestern bin ich mit dem Nachtzug von der re:publica in Berlin zurück zur Plenarwoche in Straßburg gefahren und durfte gleich im Plenum zum European Tech Sovereignty Package reden (hier könnt ihr die Rede nachhören). Ein Paket, das uns technologisch unabhängiger machen soll, gerade von großen US-Tech-Konzernen, aber von der Kommission dauernd verschoben wird.
Genau dieses Verschieben und Wegducken war auch auf der re:publica in allen vier Events, zu denen ich diesmal beitragen durfte, ein riesen Thema.
Für diese Mail möchte ich Euch ein Event davon herausgreifen, nämlich meinen Vortrag mit dem Titel „It’s easier to swing an election than to win a war“.
Leider gibt es ihn nicht auf Youtube, deswegen habe ich Euch die Kernbotschaften und die wichtigste Folie in diese Mail gepackt.
Und hier mein Angebot: Ich komme sehr gerne zu Euch in den (Kreis-) Verband, Verein oder Nachbarschaft und halte den Vortrag live. Ihr den Ort und die Leute, ich den Vortrag.
Denn eins ist klar: Es fehlt an politischem Willen. Und der entsteht vor allem auch durch öffentliche Aufmerksamkeit. Da können wir alle gemeinsam viel tun! Vorbei an den Algorithmen. Direkt gemeinsam in einem Raum. Freue mich auf Euch!
Mit entschlossenen Grüßen,
Eure Alexandra Geese
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„It’s easier to swing an election than to win a war“
Wie autoritäre Regierungen und Technologiekonzerne Algorithmen nutzen, um die öffentliche Meinung zu beeinflussen
auch bekannt als Der größte Angriff auf die Meinungsfreiheit
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Warum dominiert die AfD die Feeds der deutschen Nutzerinnen und Nutzer auf allen Social-Media-Plattformen?
Entgegen der weit verbreiteten Annahme liegt es nicht daran, dass die Partei besonders viele Inhalte veröffentlicht. Das tut sie nicht. Ihre Inhalte werden von den Plattformen gezielt hochgespült. Auf X betrug der Boost-Faktor während des deutschen Wahlkampfs 2025 für die AfD 2,5 – ohne jegliches Engagement. Der Boost-Faktor für die BSW lag bei 10. Die SPD wurde um den Faktor 10 zensiert, die Grünen um den Faktor 5. Denn auf X entscheidet Elon Musk, was wir sehen und welche Themen wir diskutieren. Auf TikTok ist es sehr ähnlich, wie diese Folie zeigt:

Tech-Oligarchen nutzen ihre Macht über unsere Feeds, um ihre politische Agenda durchzusetzen – und wir haben dafür Belege.
Ist die AfD so stark, weil die Menschen ihre Inhalte mögen? Nein. Die Menschen mögen sie nicht. Entgegen der landläufigen Meinung sehen Menschen das, was sie ablehnen. Denn Empörung ist der stärkste Motor für Aufmerksamkeit und Engagement.
Engagement-basiertes Ranking ist der Kern des Problems: Wenn Interaktion die Reichweite bestimmt, gewinnen extreme Inhalte immer. Hass, Empörung und Desinformation sind strukturell und systematisch überlegen gegenüber Fakten, Differenziertheit und Kompromiss. Wer Aufmerksamkeit will, ist gezwungen, seine Inhalte so nah wie möglich an die Richtliniengrenze zu treiben – Radikalisierung by Design.
Im politischen Bereich führen diese zwei unterschiedlichen Mechanismen zu einem starken Rückenwind für extremistische Parteien und einem Dimming-Effekt – sprich: Zensur – für gemäßigte und insbesondere progressive Parteien.
Engagement-basiertes Ranking ist nicht mit der Demokratie vereinbar, weil es zerstört, was eine Demokratie zum Gedeihen braucht: sachliche Informationen und Politikerinnen und Politiker, die bereit sind zuzuhören und Kompromisse zu finden.
Die Lösung ist denkbar einfach: Gebt den Nutzerinnen und Nutzern die Kontrolle über ihre Timelines. Lasst sie ihre Inhalte selbst wählen. Einfache und attraktive Designlösungen sind bereits vorhanden. Es gibt keine Ausreden.
In der EU haben wir auch die gesetzlichen Grundlagen dafür. Die Artikel 34 und 35 des Digital Services Act sind Wunderwaffen – wenn wir sie einsetzen wollen. Sie bieten bereits die rechtliche Grundlage, um Algorithmusänderungen vorzuschreiben. Die Nutzerinnen und Nutzer verdienen echte Freiheit bei der Wahl ihres Contents.
Gleichzeitig brauchen wir dringend mehr öffentliche und private Anschubfinanzierung für die vielen neuen Social-Media-Apps, die aktuell in Europa entstehen.
Was fehlt, ist der politische Wille.
Die Frage lautet nicht, ob wir die Demokratie retten KÖNNEN. Die Frage lautet, ob wir es WOLLEN.