TikTok-Übernahme und das nächste Opfer des Digitalen Mobs
Liebe Freund*innen!
Es ist schwer zu ertragen. Wieder hat der rechtsextreme digitale Mob erfolgreich eine Frau aus der Öffentlichkeit geschrien. Die Journalistin und Fernsehmoderatorin Dunya Hayali hat ihren Rückzug aus der Öffentlichkeit bekannt gegeben, nachdem eine rechte Hass- und Bedrohungskampagne ungehindert auf den digitalen Plattformen über sie hinweg gerollt ist.
Die Kampagnen, vor allem gegen Frauen, kommen immer schneller hintereinander.
Erst vor wenigen Wochen war Frauke Brosius-Gersdorf das Ziel. Das Playbook ist immer das gleiche: Normale Positionen werden mit Lügen überzogen und als extremistisch verschrien. Die Lügen verbreiten sich rasend schnell, getrieben von Hass-Portalen wie Nius, finanziert von CDU-Mann Frank Gotthardt. Gegenwehr wird unmöglich. Rückzug die einzige Option. Denn die Algorithmen der Plattformen haben genau das Ziel: den Hass und die Hetze verstärken. Medien sollen eingeschüchtert und Personen und Medienhäuser zerstört werden. Die Einschüchterung ist schon da. Jede und jeder, die Haltung zeigt, muss damit rechnen, zum Ziel zu werden.
Diese Drohungen schränken die Pressefreiheit ein und bereiten den Boden für ein rechtes Regime, weil die schweigende Mehrheit sich nicht mehr traut, sich zu wehren. So stirbt die Meinungsfreiheit.
Meine Solidarität gilt Dunya Hayali und allen, die Opfer des Mobs werden. Aber: Solidarität reicht einfach nicht.
Die EU-Kommission und die EU-Mitgliedsländer müssen endlich an die Algorithmen ran, die den digitalen Mob erst Leben einhauchen. Doch da passiert noch viel zu wenig. Und jeder Tag des Abwartens ist fatal.
Beckedahl: “TikTok-Übernahme vollendet die mediale Gleichschaltung der USA”
Denn die Übernahme des US-Geschäfts von TikTok durch die rechten Trump-Unterstützer und Tech-Oligarchen Larry Ellison (Oracle) und Marc Andreessen spitzt die Lage noch einmal zu. Sie zementiert die Macht der US-Tech-Bros und macht es noch schwieriger, sich gegen die Algorithmen zu wehren. Ellison und Andreessen hatten auch Musk beim Kauf von Twitter unterstützt, das mittlerweile vollends zu einem Ort rechter Hetze geworden ist. Die US-Version von TikTok steht dasselbe bevor.
Allerspätestens jetzt müsste die EU-Kommission handeln und die Europäischen Digitalregeln im Digital Services Act endlich scharf schalten.
Aber aus Angst vor Trumps Vergeltung, lass sie die US-Plattformen gewähren. Das Fenster schließt sich immer weiter, in dem eine demokratische Wiedereroberung des digitalen Raums noch machbar erscheint. Wie Markus Beckedahl in seinem lesenswerten Artikel dazu schreibt, wenn die EU-Kommission nicht endlich handelt, sind Zustände wie in Ungarn und Russland nicht mehr weit.
Doch was können wir konkret:
- Solidarisch sein. Teilt den starken Post von Astrid Deilmann auf LinkedIn und den Post von Marietta Slomka auf Bluesky.
- Petition unterschreiben, um sich zusammenzuschließen: https://actionnetwork.org/forms/freedomforfacts
- Im Kalender den Abend vom 01.10. markieren, an dem wir ein Webinar zum Thema Chatkontrolle machen wollen. Der Vorschlag der EU-Kommission hat wenig mit Kinderschutz und viel mit Massenüberwachung zu tun.
Die Grüne Fraktionschefin im Bundestag, Katharina Dröge, hat vor zwei Wochen den “Herbst des Klima-Widerstands” ausgerufen. Lasst uns auch bei der Meinungsfreiheit und der Pressefreiheit in den Herbst des Widerstands gehen. Ich bin dabei! Ihr auch?
Mit entschlossenen Grüßen,
Eure Alexandra Geese