Wie Meta/Instagram progressive Stimmen zum Schweigen bringt
Liebe Leser*innen!
Gestern habe ich gemeinsam mit der NGO „Repro uncensored“ vier inspirierende Frauen zu einer Pressekonferenz ins Europäische Parlament eingeladen, um ihren Stimmen Gehör zu verschaffen und Europa darauf aufmerksam zu machen, wie sie auf den Plattformen von Meta systematisch zensiert werden.
Die ersten 15 Minuten der Pressekonferenz könnt und solltet ihr euch hier ansehen: https://youtu.be/-GykzH519U4
Hier ist, was sie mit ihren eigenen Worten berichteten:
Martha Dimitratou, Gründerin und Geschäftsführerin von Repro Uncensored, begann:
„Big-Tech-Plattformen sind zu einer unverzichtbaren Infrastruktur für demokratische Teilhabe, öffentliche Gesundheit, Kultur und Gemeinschaft geworden. Sie prägen, wie Menschen auf Informationen zugreifen, sich organisieren, sich äußern und am demokratischen Leben teilnehmen.
Bei Repro Uncensored haben wir allein im Jahr 2026 mehr als 500 Fälle von Plattformzensur dokumentiert, von denen feministische Organisationen, Anbieter im Bereich der reproduktiven Gesundheit, LGBTQI+-Gemeinschaften, Künstler*innen und die Zivilgesellschaft in ganz Europa betroffen sind. Das sind keine vereinzelten Moderationsentscheidungen – sie offenbaren ein umfassenderes Muster undurchsichtiger Plattformführung mit tiefgreifenden Folgen für die Grundrechte.
Wenn rechtmäßige Organisationen ohne Transparenz oder sinnvolle Rechtsmittel unsichtbar gemacht werden, reichen die Folgen weit über ein einzelnes Konto hinaus. Sie untergraben die Meinungsfreiheit, den Zugang zu Informationen und die demokratische Teilhabe.
Der Digital Services Act macht deutlich, dass marktbeherrschende Plattformen die Verantwortung haben, die Rechte der Nutzer*innen zu respektieren und für Transparenz und Rechenschaftspflicht zu sorgen. Diese Verpflichtungen müssen durchgesetzt werden. Die Gesundheit unserer digitalen Öffentlichkeit ist untrennbar mit der Gesundheit unserer Demokratien verbunden.“
Ky Polanco, Mitbegründerin und Co-Geschäftsführerin von FEMINIST, erklärte, dass ihre Beiträge zur Frauengesundheit auf den Plattformen von Meta 72 % weniger Menschen erreichen als vergleichbare Beiträge zu anderen Themen.
„FEMINIST ist ein wesentlicher Bestandteil des Ökosystems rund um reproduktive Rechte und Informationen zur Frauengesundheit. Wir verstärken Stimmen, klären auf und informieren und geben den Menschen den Anstoß, den sie brauchen, um Hilfe zu suchen oder Maßnahmen zu ergreifen. Hier versagt nicht einfach ein Algorithmus dabei, das richtige Publikum zu finden. Es ist ein von Menschen geschaffenes System, das immer wieder entscheidet, wessen Informationen gesehen werden dürfen. Geschlechtergerechtigkeit ist unter einem systemisch zensierenden Algorithmus nicht möglich.“
Josie Margolis, stopcrying.josie, betroffene deutsche Influencerin
Josie beschrieb, wie ihr Instagram-Account ohne Vorwarnung gelöscht wurde, nachdem sie einen Vergewaltigungsfall dokumentiert hatte, um Frauen vor sexueller Gewalt zu warnen. Obwohl sie alle Regeln befolgt hatte, markierte die Meta-KI den Inhalt und damit den Account zur Löschung. Jeder Versuch, gegen die Entscheidung Einspruch einzulegen, scheiterte.
– Justyna Wydrzyńska, Aborcyjny Dream Team Poland, eine NGO, die Frauen dabei hilft, Wege zu einer sicheren Abtreibung zu finden
Justyna berichtete, wie ihr Account zusammen mit vier anderen Organisationen ohne Vorwarnung gesperrt wurde. Da sie die Direktnachrichten nutzen, um Frauen in Notlagen Hilfe anzubieten, konnte diese Unterstützung nicht mehr geleistet werden, und Justyna erklärt, wie Frauen in Polen dadurch in schrecklichen Situationen auf sich allein gestellt sind. Meta hat sogar ihren Autoresponder gesperrt, sodass sie die Frauen nicht einmal über die Sperrung informieren konnten und diese in einer Situation äußerster Not allein gelassen wurden. Wie Justyna es ausdrückte: „Meta blockiert nicht nur Inhalte. Meta blockiert eine Rettungsleine (engl. Lifeline).“
Mein Fazit
Die Berichte dieser inspirierenden Frauen zeigen: In ganz Europa moderiert Meta nicht nur Inhalte – es drängt feministische, queere und pro-demokratische Stimmen stillschweigend an den Rand, während seine Algorithmen Frauenfeindlichkeit und Hass in Millionen von Feeds verbreiten. Das ist kein technischer Fehler; es ist politische Zensur und ein klarer Verstoß gegen das Gesetz über digitale Dienste (DSA). Die Europäische Kommission muss das DSA konsequent durchsetzen, gegen Meta ermitteln und klarstellen, dass unsere Grundrechte in Europa für Big Tech keine Option sind.
Die Beispiele, die wir heute gehört haben, drehten sich um Frauenrechte, aber die Zensur geht viel weiter. Zivilgesellschaftliche Organisationen, Umweltschützer*innen, Künstler*innen und viele andere werden von Meta zensiert – ein klarer Verstoß gegen das DSA, das ein internes Beschwerdesystem und die Möglichkeit vorsieht, gegen solche Entscheidungen Einspruch einzulegen.
Was mich wirklich wütend macht, ist, dass die EU-Kommission weiß, dass es kein Beschwerdesystem gibt. Das haben sie in ihrer Antwort auf eine schriftliche Anfrage von mir zugegeben. Doch seit sie 2025 davon erfahren haben, ist nichts passiert, um Meta davon abzuhalten, Stimmen zu zensieren und systematisch gegen EU-Recht zu verstoßen.
Während Meta eine Kampagne nach der anderen startet, um der EU Zensur vorzuwerfen, findet auf ihrer eigenen Plattform gezielte und systematische Zensur gegen progressive Anliegen statt.
Ich fordere die EU-Kommission dringend auf, schnell zu handeln. Um dabei zu helfen, teile bitte die Inhalte der Pressekonferenz so weit wie möglich, um Druck aufzubauen:
- Mein Reel auf Instagram: https://www.instagram.com/reel/DakeFJnMKRh
- Reel von stopcryingjosie https://www.instagram.com/reel/DaiScFWimb8
- Beitrag von Aborcyjny Dream Team Poland https://www.instagram.com/p/Dah2Ryrjss9
- Video der gesamten Pressekonferenz (30 Min.) auf YouTube: https://youtu.be/-GykzH519U4?is=NeGIP1xLnrcS4sPJ
Danke für eure Unterstützung.
Eure Alexandra Geese