15. Juli 2026

Neues von der Social Media-Altersgrenze & Co.

Liebe Leser*innen!

Es hat erstaunlich lange gedauert. Jahrelang wurden Eltern, Lehrkräfte und Jugendliche mit den Folgen von Sozialen Medien allein gelassen, die Aufmerksamkeit um jeden Preis maximieren – und vor allem Kinder und Jugendliche zahlen den Preis dafür.

Jetzt bewegt sich endlich etwas.

Eine von der Europäischen Kommission eingesetzte Expert*innengruppe zum Schutz von Kindern im Netz hat an diesem Montag (13. Juli 2026) ihre Empfehlungen veröffentlicht (hier zum Nachlesen).

Der Bericht der Expert*innengruppe hat drei Kernpunkte:

  • „Safety by Design“: Plattformen haben eine Sorgfaltspflicht
  • Altersgerechte Beschränkungen für Plattformen erforderlich
  • Stufenweiser und schrittweiser Zugang zu sozialen Medien

Das sind die richtigen Ansätze. Zwei grundlegende Erkenntnisse der Expert*innengruppe halte ich für besonders zentral:

Erstens, erkennt die Expert*innengruppe an, dass Kinder und Jugendliche auf Plattformen unterwegs sind, die nicht für ihr Wohl, sondern für maximale Aufmerksamkeit gebaut wurden. Noch wichtiger ist aber eine zweite Erkenntnis, die sich endlich auch politisch durchsetzt: Altersbeschränkungen allein werden das Problem nicht lösen.

Die EU-Kommission prüft jetzt den Bericht und will nach dem Sommer einen Umsetzungsvorschlag vorlegen. Das sind meine Gedanken und Forderungen für eine kluge und effektive Umsetzung:

Damit Altersbeschränkungen überhaupt sinnvoll umgesetzt werden können, braucht es eine datenschutzfreundliche Altersverifizierung. Sie darf weder in den Händen der großen Plattformen liegen noch auf biometrischen Verfahren oder neuer Datensammlung durch Konzerne beruhen. Stattdessen brauchen wir europäische Lösungen auf Basis von Zero-Knowledge-Technologien: anonym, nicht verknüpfbar, nicht nachverfolgbar und ohne Übermittlung personenbezogener Daten. Die Plattform erfährt am Ende nur eines: Ja, alt genug – oder Nein, nicht alt genug. Nicht mehr.

Entscheidend ist aber noch etwas anderes: Die Plattformen selbst müssen sicher werden. Das ist ein wichtiger Perspektivwechsel.

Denn die eigentliche Frage lautet nicht: Ab welchem Alter dürfen Kinder Social Media nutzen? Sondern: Warum dürfen Plattformen überhaupt Produkte anbieten, die gezielt auf Sucht, Manipulation und maximale Bildschirmzeit optimiert sind?

Die Geschäftsmodelle der großen Plattformen beruhen darauf, möglichst lange Aufmerksamkeit zu binden. Dafür analysieren sie jeden Klick, erstellen detaillierte Persönlichkeitsprofile und lassen Empfehlungsalgorithmen genau die Inhalte erscheinen, die die Menschen am längsten auf der Plattform halten. Empörung schlägt Differenzierung. Extreme Inhalte schlagen ausgewogene. Hass schlägt Fakten.

Das trifft uns alle. Kinder und Jugendliche aber besonders.

Genau deshalb habe ich gemeinsam mit Verena Schäffer ein Maßnahmenpaket für sichere soziale Medien vorgestellt (hier zum Nachlesen). Unser Ansatz ist klar: Nicht Kinder bestrafen, sondern Plattformen in die Verantwortung nehmen. Altersbeschränkungen – wir fordern sie ab 14 Jahren – können sinnvoll sein, aber nur zusammen mit der konsequenten Durchsetzung des Digital Services Act, wirksamen Sanktionen gegen Regelverstöße und grundlegenden Änderungen an den Empfehlungsalgorithmen.

Denn eigentlich gibt es diese Regeln längst.

Erst letzte Woche hat die EU-Kommission vorläufige Ergebnisse einer DSA-Untersuchung vorgelegt, die zeigen, dass Facebook und Instagram der Gesundheit ihrer Nutzer:innen schaden. Das Problem: endloses Scrollen, automatische Wiedergabe, Push-Benachrichtigungen und hochgradig personalisierte Empfehlungssysteme. Daher fordert die EU-Kommission weitreichende Änderungen von Meta.

Aber wir sollten noch einen Schritt weitergehen.

Solange unsere digitale Öffentlichkeit von wenigen außereuropäischen Tech-Konzernen kontrolliert wird, werden wir immer nur versuchen, ihre Schäden zu begrenzen. Europa braucht deshalb eigene soziale Medien – Plattformen, die unseren demokratischen Werten entsprechen, Privatsphäre respektieren und sich selbstverständlich an europäisches Recht halten. Und mit einer europäischen Digitalsteuer endlich auch fair besteuert werden.

Es ist gut, dass die EU-Kommission den Bericht der Expert*innengruppe jetzt umsetzen will. Doch darf es dabei nicht bleiben. Daran werde ich weiter arbeiten.

Wollt Ihr mich dabei unterstützen? Dann leitet die E-Mail weiter an alle Interessierten.

Vielen Dank und europäische Grüße,

Eure Alexandra Geese

Bleiben Sie auf dem Laufenden

Wenn Sie regelmäßig über meine Arbeit im Europäischen Parlament informiert werden wollen,
können Sie sich hier in meinen Newsletter eintragen: